„Schrauben an der Zukunft“

Wuppertal wird zum Treffpunkt der Reparatur-Bewegung

Reparatur-Initiativen aus ganz NRW trafen sich am 8. November in der Arrenbergstatt.

Der Mixer dreht nicht mehr, der Reißverschluss klemmt, das Fahrrad hat einen Platten? In solchen Fällen bieten Ehrenamtliche in den Reparaturcafés in Wuppertal, Remscheid, Solingen und vielen weiteren Städten in NRW „Hilfe zur Selbsthilfe“. Damit neue Initiativen entstehen und bestehende wachsen können, fand bereits zum zweiten Mal ein landesweites Netzwerktreffen in Wuppertal statt. Organisiert wurde es vom Netzwerk.Reparatur.Wuppertal, unterstützt von der AWG – Abfallwirtschaftsgesellschaft, der Stadt Wuppertal und der Stadtsparkasse Wuppertal.

Vielfalt der Reparaturszene erleben

In die Arrenbergstatt eingeladen waren sowohl bestehende Initiativen als auch Gruppen, die gerade erst starten möchten. Von Aachen bis Dortmund, von Repair-Cafés bis offene Werkstätten – fast 50 Ehrenamtliche zeigten, wie vielfältig die Reparaturszene in NRW ist und wie stark sie wächst. Ob das Repair Café des AStA der Ruhr-Uni Bochum, das Studierende Woche für Woche für Reparatur begeistert, oder ein Einzelkämpfer im Wuppertaler Ölberg-Hub, der mit Ausdauer und Herz defekten Geräten neues Leben einhaucht – überall wird Wandel praktisch umgesetzt.

Ein besonderes Highlight an diesem Wochenende: Lars Gauster, aus der Reparaturszene und auf YouTube über das „Gausterhaus“ bekannt, teilte sein Know-how zur schnellen Fehlerdiagnose bei Elektrogeräten – fachkundig, humorvoll und mit einem augenzwinkernden Blick auf die „deutsche Ingenieurskunst mit kurzer Halbwertszeit“.

Beim anschließenden „Markt der Möglichkeiten“ erhielten die Teilnehmenden an verschiedenen Stationen wertvolle Impulse und Gelegenheit zum Austausch über Themen wie digitale Werkzeuge, Leihinitiativen und Tauschformate, Mitgliedergewinnung sowie praktische Umsetzung. Besonders großes Interesse galt der Station zur sicheren Reparatur und Prüfung von Elektrogeräten.

Mit der Schwebebahn zum zweiten Veranstaltungsort

Der zweite Teil des Treffens fand im Brockenhaus statt. Die Teilnehmenden fuhren gemeinsam mit der Schwebebahn – gesponsert von der WSW – dorthin. Eine ideale Gelegenheit, Räume und Arbeitsweisen anderer Initiativen direkt kennenzulernen.

Gestärkt mit einem veganen Mittagessen von Fancyfood setzte der nächste Workshop seinen Fokus auf Organisation und Kommunikation. Diskutiert wurden vor allem Fragen wie: Woher bekommen wir geeignete Räume? Wie erreichen wir junge Menschen und Freiwillige? Wie finanzieren wir unsere Initiative? Die Antworten entstanden im Dialog der Teilnehmenden. So zeigten Beispiele: Kooperationen mit Stadtteilvereinen, Kirchengemeinden und Schulen können die Raumsuche erleichtern. Projekte, die soziale Teilhabe fördern, ziehen neue Zielgruppen an. Und oft half einfaches Ausprobieren: Manchmal muss man nur anfangen und vor Ort Erfahrungen sammeln, um Hemmschwellen abzubauen. In kurzen Abschlussstatements fassten die Gruppen zusammen, dass Kooperationen und Mut zum Ausprobieren entscheidend sind, um Reparaturinitiativen langfristig aufzustellen.

Der Austausch geht weiter: Konkrete Schritte wurden bereits vereinbart. So wurde eine digitale Signal-Gruppe eingerichtet, in der sich die Initiativen künftig einfach und direkt austauschen. Zudem sind regelmäßige Online-Treffen geplant. Auch der Termin für das 3. Netzwerktreffen am 14.11.2026 in Wuppertal wurde bereits festgelegt.

Das Netzwerk.Reparatur.Wuppertal hat das Ziel, in möglichst vielen Stadtteilen neue ReparaturInitiativen zu etablieren. Aktuell gibt es in Wuppertal 14 aktive Initiativen mit über 100 engagierten Ehrenamtlichen, die gemeinsam bereits mehr als 1.000 Reparaturen durchgeführt haben. Eine Bewegung, die deutschlandweit bereits mehr als 2.000 Initiativen zählt.